Weißrussland: Warum Whataboutism nicht funktionieren darf

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Weißrussland: Warum Whataboutism nicht funktionieren darf

6. Juni 2021 Allgemein 0

Würde ich, der Redakteur einen Menschen umbringen, dürfte ich mich auf keinen Fall damit entschuldigen können, dass Soldaten, in Kriegen, das selbe tun. Ich hätte in dem Fall eine Straftat begangen und müsste dann mit meiner Straftat konfrontiert werden. Doch ein Land hat „Whataboutism“ (Was ist mit…) zum systematischen Relativieren der eigenen Taten oder der Taten der Partnerländer entdeckt. Wir sprechen über Russland.

Eine entführte RyanAir Maschine

RyanAir Flug 4978 sollte eigentlich von Athen nach Vilnius fliegen. Am 23. Mai 2021 jedoch wurde die Maschine von einem oder mehreren weißrussischen Kampfjets zur Landung in Minsk gezwungen. Angeblich wegen einer Bombendrohung. Dass es nicht um eine Bombendrohung gehen konnte, beweist die Tatsache, dass zunächst niemand das Flugzeug verlassen durfte, nachdem es gelandet war. Raman Pratassewitsch, ein bekannter weißrussischer Oppositioneller, wurde, in diesem Rahmen, von der Polizei mitgenommen und verhaftet.

Versuch 1: Pratassewitsch sei ein Nazi

Max Blumental ist ein investigativer Journalist und unterhält einen Blog mit Namen „thegrayzone.com“. Sein Blog führt nicht die geringste Adresse eines Redaktionsgebäudes auf, aber schmückt sich mit einer angeblich, löblichen Aussage des Regisseurs Oliver Stone.

Blumental selbst tritt öfter bei Russia Today auf und wird dort als „amerikanischer Journalist“ bezeichnet. Er relativiert und verteidigt dort regelmäßig die Politik Wladimir Putins.

Auf seiner Seite schreibt er über Pratassewitsch, dass dieser engen Kontakt mit dem ukrainische Asow Bataillon gehabt hätte und dort sogar „gekämpft“ hätte. Er präsentiert auf der Seite ein Foto, welches Pratassewitsch zeigen soll, welches jedoch, in Gesichtskonturen, Unterschiede zu Pratassewitsch aufzeigt.

Im Artikel wird die Entführung der RyanAir Maschine nach Weißrussland damit gerechtfertigt. Der Artikel offenbart aber auch eine Beteiligung Russlands, weil Russland (und nicht Weißrussland) sich für prorussische Kämpfer im Donbass traditionell verantwortlich fühlt.

Das Whataboutism hier darf nicht funktionieren, weil sich der Vorfall um eine staatliche Flugzeugentführung dreht (mit einer gelogenen Behauptung einer Bombendrohung). Um einen einzigen (mutmaßlich) Rechtsextremen (was hier wohl nicht mal der Fall ist) zu verhaften, ist so ein Vorgehen einfach zu viel.

Versuch 2: Snowden und Bolivien

2013 wurde ein Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Morales in Wien zur Landung gezwungen. Mit dem kleinen Unterschied zu Weißrussland, dass dem bolivianischen Präsidenten der französische Luftraum verweigert wurde. Zudem waren dort keine Kampfjets im Spiel.

Auch hat Österreich damals niemanden entführen lassen und lässt auch keine Gefangenen erzwungene Geständnisse vorlesen. Dennoch zieht Snowden und die bolivianische Maschine, von der ersten Sekunde an, als die RyanAir Maschine in Weißrussland, mit Kampfjets, zur Landung gezwungen wurde, als Whataboutism.

Es geht um Verantwortung

2013 wurde die US Regierung, nach dem Vorfall in Österreich, wochenlang kritisiert. Der Fall durfte durch die US Medien frei verfolgt und weitergegeben werden. Es gab keine Richtlinien, wie die New York Times oder die Washington Post über den Fall schreiben durften.

Weißrussland vergibt an die dortigen Medien jedoch genau solche Vorgaben. Pressefreiheit ist, innerhalb Weißrusslands, im Bezug auf diesen Fall, quasi inexistent. Weißrusslands Medien haben nur über ein „Geständnis Pratassewitsch’s“ zu berichten. In keinem Fall über ein „erzwungenes Geständnis“. Auch die „Bombendrohung“ darf auf keinem Fall so beschrieben werden, dass die Hamas keine Ahnung von einer Bombendrohung hatte und die „Forderung der Hamas“ zwei Tage vor der „Bombendrohung“ längst erfüllt wurde.

Gern gesehen sind die zwei Whataboutism’s. Das eine über Snowden und Bolivien. Das andere über die Fotos, die Pratassewitsch für das Asow Bataillon zeigen sollen.

Ein drittes über „staatlich gelenkte“ westliche Artikel über Pratassewitsch.

Noch eine Kleinigkeit (so am Rande): Gefaketes ZDF Logo

2014 fakete ein russischer Youtube Kanal einfach das ZDF Logo über einen Bericht der „Heute Nachrichten“. Gefaketes Material wurde über das Originalmaterial der Heute Sendung gelegt, samt Nutzung des ZDF Logos. Das Original geht exakt dann wieder los, als der Name des Journalisten eingeblendet wird. Im Original beginnt nach Sekunde 23 auch nicht der Bericht. Auch dies wurde einfach zusammengeschnitten.

Fazit

Vertraue niemals Fotos von „Bataillon Asow“ wenn die Fotos aus offiziellen russischen Quellen kommen. Angesprochen auf dieses Propagandamaterial wird, wenn abstreiten nicht mehr möglich ist, argumentiert mit „aber die anderen…“.

Wo ist mein Facebook Kommentar?

Auch hier gilt wieder: Wir löschen nur, weil die Kommentare uns beleidigen, nicht weil sie unbedingt falsch sind. AfD’ler sind, gegen Pratassewitsch, ganz plötzlich gegen Rechtsextreme. Und Linke verbünden sich, vereinzelt, mit der, offen rechtsextremen, russischen Regierung.

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