Anklage gegen Unfallopfer

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Anklage gegen Unfallopfer

8. August 2019 Allgemein Straftaten 0

Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft stellte Strafantrag gegen ein Unfallopfer wegen ‘falscher uneidlicher Aussage’. Das Unfallopfer jedoch will weiter keine ‘angepasste Aussage’ abgeben.

Symbolbild

Im Juni 2017 fuhr, auf der A31 in Höhe Wietmarschen, ein niederländischer BMW-Fahrer auf einen Corsa Fahrer auf.

Einer Zeugenaussage zufolge, die später als ‘nicht bestätigt’ eingestuft wurde, fuhr der BMW Fahrer ein Rennen mit dem Fahrer eines weißen Mercedes, als der Corsa Fahrer gerade einen Überholvorgang mit einer Geschwindigkeit von 100 – 130 Km/H abschloss.

Der Fahrer des weißen Mercedes wurde von der Autobahnpolizei noch als Zeuge eingetragen.

Der BMW Fahrer versuchte noch zu bremsen, fuhr jedoch so auf den Corsa auf, dass die hintere Heckscheibe zerberstete.

Der Corsa Fahrer litt unfallbedingt unter einer Kopfverletzung, die am Unfallort sichtbar war und die den Einsatz des Rettungsfahrzeuges am Unfallort erforderte. Er verbesserte noch am Unfallort mehrmals den Verlauf des Unfalls.

Die Autobahnpolizei stellte mit einer falschen Darstellung des Unfallhergangs tage später ein Ermittlungsverfahren gegen den Corsa Fahrer, da die Polizei davon ausging, dass der Wagen noch im Spurwechsel angefahren wurde.

Der Corsa Fahrer erließ eine Zivilklage gegen den BMW Fahrer aufgrund des Auffahrunfalls.


Es zog sich weiter hin

Der Corsa Fahrer erhielt in den Folgemonaten noch weitere Bußgeldbescheide mit der Anschuldigung, der Corsa sei, im Überholvorgang auf dem Mittelstreifen der zweispurigen Autobahn, gerammt worden. Diese wurden ohne Zahlungen von Bußgeldern zwischenzeitlich eingestellt.


Im Verfahren musste der Corsa Fahrer den Unfallhergang wiedergeben. Er gab aus dem Gedächtnis, welches durch den Unfall bleibend beeinträchtigt ist, den Unfallhergang so wieder, dass der Unfall auf der rechten Fahrbahnseite geschah.

Daraufhin ließ der Richter ein Unfallgutachten anfertigen. Im Unfallgutachten tauchten Polizei-Fotos des Unfallhergangs auf, die vor dem Verfahren der Verteidigung nicht zugänglich gemacht wurden. Diese bewiesen Reifenspuren des BMW’s auf der linken Fahrbahn.


Das Urteil wurde, mit der nachgewiesenen Geschwindigkeit des BMW-Fahrers über der Richtgeschwindigkeit, und mit dem Anscheinsbeweis der Unachtsamkeit des Corsa Fahrers, zu 80 Prozent für den BMW-Fahrer gefällt. Die Zeugenaussage des Rennens, welches der BMW-Fahrer mutmaßlich fuhr, wurde als ‘abgestritten’ zugunsten des BMW-Fahrers herausgenommen. Die Angabe eines fehlenden Blinkers des BMW Fahrers, wurde, trotz fehlender weiterer Bezeugungen oder belastender Beweise, zulasten des Corsa Fahrers in das Urteil aufgenommen.


Gegen das Unfallopfer wurde nun Strafantrag von Seiten der Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen ‘falscher uneidlicher Aussage’ gestellt. Das Unfallopfer gibt an, die Kopfverletzung und die Gedächtnisschwierigkeiten in der Zeugenaussage mit angegeben zu haben. Die Angaben sind nachweislich im Protokoll enthalten und durch medizinische Unterlagen vom Tag des Unfalls bestätigt. Als weiters Unfallopfer wurde gegen die Passagierin Strafantrag wegen ‘falscher uneidlicher Aussage’ gestellt, welche direkt vor der zerberstenen Heckscheibe saß. Auch sie soll den Unfall ungenau und fehlerhaft dargestellt haben.

Die Staatsanwaltschaft forderte beide Personen zuvor auf, ihre Aussagen zu revidieren und anderen Zeugenaussagen anzupassen. Die weiteren Zeugenaussagen sind jedoch untereinander unterschiedlich. Zwei Zeugenaussagen behaupteten fälschlich, der Unfall sei auf dem Mittelstreifen geschehen. Auch diese beiden Zeugenaussagen unterscheiden sich noch einmal voneinander.

Die Zeugin, die als einziges komplett konform mit dem Gutachten ging, war gleichzeitig jene Zeugin, die das rennmäßige Fahrverhalten zwischen dem BMW-Fahrer und dem Mercedes Fahrer angab, welches vom BMW-Fahrer abgestritten wurde.

Auf Nachfrage

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft bezieht sich auf die Fahrbahnseite, an die sich das Unfallopfer erinnert, auf der der Unfall geschah.