Für Andreas Scheuer sind 20% ein Drittel

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Für Andreas Scheuer sind 20% ein Drittel

27. Dezember 2019 Allgemein 0
Bildergebnis für scheuer tempolimit

20 Prozent aller Autobahnen haben, nach einer Untersuchung mit dem Stand von 2015 ein temporäres oder dauerhaftes Tempolimit. Andreas Scheuer beantwortete den Einwurf vom SPD Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Ralf Stegner. Die Antwort lautete, dass langsamer fahren auf Autobahnen keinen Einfluss auf das Klima hätte und das bereits ein Drittel der Autobahnen in Deutschland ein Tempolimit hätten. Ein Bundesverkehrsminister sollte die Daten eigentlich genauer vor sich haben.

Die Argumente des ADAC

Der ADAC hält Autobahnen für die sichersten Straßen in Deutschland. Auch behauptet der ADAC, dass mehr Menschen auf Landstraßen ums Leben kämen.

Der ADAC bezeichnet die Anzahl der Autobahntoten als “unterdurchschnittlich”. Etwa 300 bis 400 Menschen jährlich werden zu Grabe getragen, weil sie einen Unfall auf der Autobahn erlitten haben. Das entspricht etwa dem Absturz einer vollbesetzten Linienmaschine.

Man denke also kurz mal nach, was los wäre, wenn Jahr für Jahr für Jahr für Jahr jedes Mal eine weitere Linienmaschine abstürzen würde.

Der ADAC zieht die Zahlen in der Gegenüberstellung bewusst weit auseinander. Hier wird gerechnet pro 1 Milliarde Fahrzeugkilometer. Demnach sterben dort derzeit 1,7 Menschen. Ein Rechenkonstrukt, dass wir kaum selber nachprüfen können. Und hier kommt der ADAC noch auf einen Anteil toter Menschen von 13 Prozent. Ja, 13 Prozent ist viel, wenn es hier um den Tod geht.

Der ADAC will situationsgerechtes Tempolimit. Sprich, nur Tempolimits auf Streckenabschnitten, “bei denen es zu überdurchschnittlich vielen oder schweren Unfällen kommt”. Was bedeutet, dass tausende Streckenabschnitte einzelnd eingeklagt werden müssten. Was der ADAC nur nicht versteht ist, dass es die Autofahrer sind, “bei denen es zu überdurchschnittlich vielen oder schweren Unfällen kommt”, nicht die Streckenabschnitte.

In den Niederlanden wird Motorsport sehr hoch gehalten. Ein niederländisches Unternehmen bietet deshalb Erlebnistouren auf der deutschen Autobahn an. Und unter Erlebnistouren fallen da auch gerne mal organisierte Autorennen. Dabei legt das Unternehmen die Route und den Zeitpunkt fest und organisiert auch Hotelzimmer, nahe der “Rennstrecke”. Die Justiz hat Unfallurteile diesbezüglich schon zu Lasten derer gefällt, denen aufgefahren wurde.

Spaß oder Freiheit

Die Argumente gegen ein Tempolimit.

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Spaß wird tatsächlich hochgehalten. Social Media Nutzer behaupten, sie können sich nicht konzentrieren, wenn sie eine längere Strecke nur 120 Stundenkilometer fahren müssten. Da mache es keinen Spaß, auf einer Autobahn zu fahren.

Spaß haben jedoch nur die, die die anderen mit ihrer Fahrweise terrorisieren. Auch nur solange, bis sie anderen auffahren.

Es gibt noch Familien, die Spaß daran haben, an einem Sonntag (also dann, wenn das niederländischen Unternehmen gewöhnlich auch die angebotetenen “Erlebnistouren” umsetzt) vom Ruhrgebiet an die Nordsee zu fahren. Diese Familien fahren 130 oder weniger und übernehmen Verantwortung für das Leben ihrer Fahrgäste. Ein 300 fahrendes Auto sehen die nicht kommen. Weniger als 4 Sekunden dauert es, von dem Zeitpunkt, wo so ein Fahrzeug sichtbar wird, bis zu dem Zeitpunkt, wo es dem Familienwagen nicht mehr abbremsen kann. Und in einem Autorennen ist der 300 Fahrer mehr auf seinen Kontrahenten fokusiert, als auf den Familienwagen.

Herr Scheuer postet schon mal Autobahn Foto aus der Schweiz

Jaja, wissen schon alle. Die Bild Überschrift dazu schlägt das aber nochmal: “Twitter-Panne zum Tempolimit: Grünen Politiker lästert über Scheuer”. Dazu muss man wissen, dass die Bild regelmäßig über Grünen Politiker (wie jüngst der Frau Roth) ablästert, selbst wenn da nicht mal Fakten stimmen.

Moment? Euch ist das komplett entgangen? Ihr habt drei Tage lang nur mit diversen Weihnachtsessen verbracht? Na gut, Kurzfassung: Bundesverkehrminister Andreas Scheuer hatte einen Twitter Beitrag abgesetzt, eigentlich um gegen ein Tempolimit auf Autobahnen zu wettern. Der Bundestag hat im Oktober mit 498 zu 126 Stimmen gegen ein Tempolimit entschieden (Ja, CDU/CSU haben mit den Stimmen der SPD entschieden). Der Verkehr solle an Weihnachten bestmöglich fließen (Tat er diese Weihnachten nicht). Damals war es ein Grünen Vorstoß. Heute kommt der Vorstoß von der SPD (Ja, das Ergebnis wird dann nicht das selbe sein).

Scheuer hat sich in seinem Tweet für bestmöglich fließenden Verkehr “nachts bei freier Fahrt und zu Stoßzeiten, z.B. an #Weihnachten” ausgesprochen.

Hunderte haben Scheuer darauf angesprochen, dass sein gepostetes Foto ein Foto der Ausfahrt Thalwil am Zürichsee in der Schweiz (Autobahn 3) zeigt.

Einer (das ging unter) postete einen Bericht der Hertener Allgemeinen, der über einen Autobahn-Unfall mit einem Toten am 1. Weihnachtstag berichtete.

Herr Scheuer erklärte sich Tage zuvor in einem Interview, dass eh bereits 1/3 der deutschen Autobahnen ein Tempolimit hätten. 20 Prozent der Gesamtstrecke sind wirklich mit temporären oder dauerhaftem Tempolimit versehen.

Mimimi der Bildzeitung

Die Bild griff nicht Herrn Scheuer an, sondern “die Grünen”. Und die Twitter Nutzer, die in Häme antworteten.

Denn Grünen Fraktionsvize Oliver Krischer warf dem Bundesverkehrsminister ein gestörtes Verhältnis zu seinem Heimatland vor. Danach fügte er die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner dem Bundesverkehrsminister bei. Diese hat Tage zuvor einen angeblichen deutschen Wald gepostet, auf dem ein amerikanischer Helmspecht zu sehen war.

So ganz nach dem Motto, wenn 3 sich streiten, freut sich die Bildzeitung, nahm jene Zeitung das auf und griff erneut die Grünen an, mit der Überschrift: Grünen-Fraktionsvize Krischer lästert.

Um der Bildzeitung letztendlich doch noch gerecht zu werden, sprach sich Bildautor Willi Hantjes für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus. Der Artikel findet sich hier