Wie „Greta-Hasser“ heute richtig austeilen

9965 Artikel

Wie „Greta-Hasser“ heute richtig austeilen

12. Dezember 2019 Allgemein 0

Greta Thunberg ist 16 Jahre und setzt sich für Klimaschutz ein. Und das äußerst erfolgreich. Zumindest ist ihr Heimatland Schweden und erfolgreichstes Land im Kampf gegen den Klimawandel.

Das bringt anscheinend Leute dazu, sie öffentlich (in einem Facebook Fakeaccount, welches nicht mal ein Foto hat) mit Adolf Hitler zu vergleichen.

Bildergebnis für thunberg hitler time magazin

Wofür wird Greta Thunberg verantwortlich gemacht?

Rechte Parteien, wie NPD, die Rechte und die AfD sehen in Greta Thunberg vor allem einen Anschub für die Grünen. Da die Grünen nun tatsächlich Fortschritte gemacht haben und in Umfragen fast gleichauf mit der CDU sind, setzen hier besonders AfD’ler gerne ein Ausrufezeichen gegen Greta Thunberg. Üblicherweise in Form von Beleidigungen oder übler Nachrede.

Rechte Genossen fühlen sich vor allem bedrängt, da es in Deutschland immer mehr Engagement gegen den Klimawandel gibt. Sie sehen, teilweise zu Unrecht, Fahrverbote, höhere Benzinkosten, höhere Kosten für Flugreisen, höhere Lebensmittelkosten, Umweltauflagen für die Landwirtschaft, Ausstieg aus der Kohleverstromung oder weiteres als Teil dieses Engagements.

Angeblich zweierlei Maß

Dazu muss man erstmal sagen, dass Greta Thunberg gegen einige Sachen gar nicht demonstriert, ihr aber trotzdem „zweierlei Maß“ vorgeworfen wird. Sie hat niemals per se gegen Autos demonstriert und nie gefordert, dass keiner mehr Auto fährt. Wird sie jedoch mit dem Auto gebracht, wird ihr vorgeworfen, dass sie fordern würde, was sie selbst nicht einhält.

Dann wird ein Auto schnell mal mit einem Kreuzfahrtschiff verglichen. Ja, richtig gehört. Es wurde bereits der Ausstoß ‚eines‘ Autos mit ‚einem‘ Kreuzfahrtschiff verglichen. Das wurden Innenstadt-Fahrverboten angelastet. Da es Fotos gibt von Greta Thunberg auf Schiffen (nicht mal Kreuzfahrtschiffen), wird ihr das ebenfalls als „zweierlei Maß“ angelastet (dann taucht obiger Vergleich plötzlich auf).

Greta Thunberg wird entmenschlicht

Rechte Gesinnungsgenossen nehmen Greta Thunberg nicht als Person wahr. Schon lange nicht als Person, die ein Recht hat, vor Drohungen und Beleidigungen geschützt zu werden. Hierzu wird sie in Äußerungen praktisch entmenschlicht. Was das bedeutet:

Trauriges Zeitalter in dem keine Leistung einen zu Person of the year macht….

Der Kommentator strikt den Kommentar so, dass er die Person nicht anspricht, oder sie nicht als Menschen zu erkennen gibt.

Was ist los mit auch, ihr rennt ein Kind hinterher und hofft das sich das Klima ändert, tut es nicht, macht es selber.

Thunberg wird auch gerne als unmündig dargestellt. Als ein Kind, dass nicht weiß, was sie tut.

Hitler war „Person of the Year 1938“

Greta Thunberg ist die diesjährige „Person of the Year“ des TIME Magazine. Das ist kein Beliebtheitswettbewerb, sondern zeigt auf, welche Person in diesem Jahr massiv Menschen in ihren Bann ziehen konnte. Und ja, manchmal sind es auch echt schlechte Menschen, wie zuletzt 2016 Donald Trump. Und manchmal sind es die Guten, wie 2015 Angela Merkel und nun Greta Thunberg (von hier aus noch mal Glückwünsche).

Doch die Rechten haben nun ein Narrativ gefunden, „Person of the Year 1938“. Und das geht in Chats und Kommentaren rum. In Grafiken werden beide Ausgaben schon nebeneinandergestellt.

AfD plötzlich wieder gegen Hitler. Praktisch im Vergleich mit Greta Thunberg

Alexander Gauland wollte vor einiger Zeit noch Soldaten aus beiden Weltkrigen ehren. Björn Höcke ärgerte sich einst darüber, dass Berlin ein „Denkmal der Schande“ inne hat. Und der neue Vorsitzende Tino Chrupalla verbesserte einen Gesprächspartner nicht, als er Kriegsverbrecher, vor einer Kamera, als „unsere Jungs“ bezeichnete.

Nun geht in einigen Chats und gelöschten Kommentaren eine Grafik herum, die beide Ausgaben nebeneinander zeigen. Die diesjährige und die von 1938 nebeneinander gestellt. Ohne Kommentar. Dies vorrangig von Internetnutzern, die die AfD generell unter „Gefällt mir“ haben oder einzelne Personen, wie beispielsweise den thüringischen AfD Chef Björn Höcke. Einer hat unter „Gefällt mir“ gleich eine lange Liste von AfD Persönlichkeiten und Landesgruppen.

Dieter Nuhr aus dem Vergleich gerade erst raus

Nochmal zum mitschreiben. Dieter Nuhr hat Greta Thunberg nicht mit Hitler verglichen. Die Kieler Zeitung hat eine offizielle Entschuldigung verfasst. Eine Kamera lief bei diesem Nuhr Auftritt nicht mit. Einer Zeugenaussage nach, hat Nuhr sinngemäß „am Ende seines Auftritts einen Bogen geschlagen von der ideologischen Radikalität der Forderungen der Klima-Aktivisten, so sie denn konsequent umgesetzt würden, zu den verheerenden Folgen der Diktaturen von Hitler und Stalin.“

Was genau mit „sinngemäß“ gemeint ist, ist nicht bekannt. 

Der Punkt ist ein anderer

Einige haben dies im Netz so geteilt, dass sie die Meinung, die Dieter Nuhr nie vertrat, unterstützten, auch mit AfD und anderen rechten Organisationen unter den „Gefällt mir’s“. Möglich, dass die gerade neues Futter bekommen haben.

Gerade das Hitler Thunber Narrativ soll die öffentliche Meinung von Greta Thunberg abschrecken. Da sind die AfD’ler auch gerne mal plötzlich gegen Adolf Hitler.

Hitler Verehrung groß in der AfD

Die Verehrung des Massenmörders ist trotzdem groß in der AfD. Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) in Brandenburg tauchte selbst vor einigen Monaten noch bei einer Veranstaltung verbotenen rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) auf. Das belegen Fotos und Filmaufnahmen. Die HDJ trifft sich mitunter auch jährlich um den 20.April herum, eben an Adolf Hitlers Geburtstag. Um diesen, durchaus ausgelassen, zu feiern.

2018 haben mehrere thüringische AfD Parteimitglieder eine Wallfahrt zu den Lebenstationen Adolf Hitlers veranstaltet. Darunter hatte auch eine aktive Parteifunktionärin teilgenommen.

Und auch ein führender, thüringischer Parteirichter ließ sich mit Devotionalien des NS-Regimes ablichten.

Widerwärtig und Ekelhaft

Sollte das wirklich viral gehen, was wir hier keinesfalls ablichten, so ist das sowohl widerwärtig und ekelhaft als auch verlogen und diffamierend.

Scroll Up