Wir haben IP Man 4 gesehen. Willkommen in der chinesischen Staatspropaganda.

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Wir haben IP Man 4 gesehen. Willkommen in der chinesischen Staatspropaganda.

21. September 2020 Allgemein 0
Ip Man 4 - Das Finale - Stream: Jetzt Film online anschauen

Um was geht es da?

Es ist ein chinesisches Kung Fu Franchise. Es sollte eigentlich an die alte Zeit der chinesischen Kung Fu Filme der 60er Jahre anknüpfen, weshalb die Reihe auch zeitlich in die 60er Jahre versetzt wurde.

Hauptfigur ist der chinesische Kung Fu Lehrer Ip Man, der seine Umgebung, in jedem Film, vor Gefahren, hauptsächlich aus dem Ausland, verteidigt.

Ip Man ist nun an Krebs erkrankt. Und seine seine letzte glorreiche Tat soll es sein, seinen Sohn in Amerika auf eine Schule zu bekommen. Da angekommen trifft auf Karate Kämpfer, die so mal eben in den Straßen San Francisco’s herumlaufen und willkürlich andere Leute angreifen, auf die US Einwanderungsbehörde und die US Armee, die allesamt die armen Menschen in Chinatown schikanieren.

Sein „Freund“, der Vorsitzende Wan, gespielt von Yue Wu, hat bereits eine Tochter auf einer Schule in San Francisco. Er soll Ip Man eine Empfehlung schreiben. Wan’s Tochter wird auf der Schule von der Tochter eines Mitarbeiters der US Einwanderungsbehörde schikaniert, welcher sich sofort daran setzt, Wan zu schikanieren.

Alles landet dann irgendwann irgendwie bei Barton Geddes, einem US Marine, der total sauer auf irgendwas ist und am Ende reihenweise Chinesen, unter anderem auch Wan, mit Karate verprügelt.

Das wenige, was die Autoren richtig gemacht haben

Die Autoren sind auf strukturellen Rassismus gegenüber Schwarzen und Asiaten, in den USA, eingegangen. Auch haben die Autoren versucht, die Einwanderungsbehörde, in den USA, als Werkzeug für den Fremdenhass der Republikaner darzustellen.

Und die Autoren haben noch ein Körnchen eines blinden Huhns entdeckt. Die Gewalt an Schulen wird, gerade in den USA, dadurch gefördert, dass rivalisierender Sport einen höheren Stellenwert hat, als intellektuelle Leistungen. Die Netflix Serie „13 Reasons Why“ (Tote Mädchen lügen nicht) geht noch genauer und analytischer auf dieses Phänomen ein. Die USA hat, in der Tat eine erschreckende Rate an schweren Verletzungen, verursacht von Mitschülern der Verletzungsopfer.

Der Film Ip Man 4 widmet dem allerdings nur etwa 3 Minuten.

Der Film ist voll mit Bullshit

Der Film spielt 1964 und ein Karate Kämpfer zieht in voller Montur durch die Straßen von San Francisco und versucht, andere Leute zu verprügeln.

Im US Marine Chor kämpfen die Soldaten Karate und scheinen sogar den Unterschied zwischen Karate und Kung Fu zu kennen. Wir reden tatsächlich von der Zeit inmitten des Vietmankrieges. Da, wo US-Soldaten mal kurz durch den Dreck geworfen wurden, angeschrien wurden, ein Gewehr in die Hand bekam und nach Vietnam geschickt wurden. (Der Vietnamkrieg wird überhaupt nicht erwähnt. Kann daran liegen, dass China da massenhaft Waffen ins verarmte Nachbarland brachte, um einen Regime-Change durchzusetzen.) Besser man erwähnt sowas im Film gar nicht.

Das US Marine Chor hat einen Karate Lehrer, der, mit anderen Karate Soldaten des US Marine Chors, einfach so nach Chinatown fahren darf, um dort Passanten zu verprügeln. (Polizeibeamte scheint es da gar nicht zu geben.) Auch die US Einwanderungsbehörde kann 1964 Karate.

Andere Soldaten US Marine Chors, von denen niemand eine Schusswaffe trägt (in den USA), applaudieren am Ende Ip Man, der gerade ihren Vorgesetzten verprügelt hat. Auch lassen die den Vorgesetzten einfach so am Boden liegen („Semper Fi“ sagt da keiner).

Die Autoren waren schon dämlich!

Gerade die privaten Waffenverkäufe gingen in den USA, während des Vietmankrieges, richtig hoch. Tarantinos „Once upon a Time in Hollywood“ zeigt uns noch mal, wie US Fernsehserien damals Amerikaner, zigtausendfach, dazu animierten, sich mit scharfen Waffen einzudecken.

In US Countrysongs der 60er, die es in Ip Man 4, gar nicht zu hören gibt, durfte offen gegen Indianer, Schwarze oder Mexikaner gehetzt werden. Und die Songs kamen auf Platz 1.

Die „Rote Angst“ gegen den Kommunismus konnte auch 1964 noch dazu führen, dass man in den USA verhaftet werden konnte. (Die Autoren waren hier echt dämlich, weil sich damals schon Russland und China als Opfer generieren konnten und den Zeigefinger gen USA ausstreckten.) Wird hier nicht erwähnt. Obwohl Donald Trump, in den letzten 4 Jahren, das praktisch rebootete.

1964, USA, Karate?

Die Anzahl ist etwa dreistellig, derer, die 1964, in den USA Karate kämpften und selber keine chinesischen Verwandten hatten. Also fast soviel, wie in die Trainingshalle, im Film, passten, gab es in der gesamten US Bevölkerung. Der Boom ging erst 1984 los, nachdem Karate Kid ins Kino kam.

Chinesen verraten nochmal eigene Menschenrechtslücken

In den USA waren Mitglieder des US Marine Chors, auch 1964, einer strengeren Strafjustiz unterworfen, als der Normalbürger. Wer’s nicht glaubt, darf ja gerne noch mal einen „JAG – Im Auftrag der Ehre“ Marathon starten.

Allerdings haben Mitglieder der chinesischen Armee da diverse „Sonderrechte“ gegenüber der chinesischen Normalbevölkerung, insbesondere, was Enteignungen betrifft. Unter bestimmten Voraussetzungen, (wenn die Enteigneten zufällig Uiguren oder Tibeter sind) können, an einem Tag, schon mal die Uiguren ausziehen und die chinesischen Soldaten einziehen, ohne dass es da irgendwo eine Beschwerdestelle gibt. Uiguren ziehen, zu Tausenden, derzeit in Internierungslager um.

Danke für sehr offensichtliche Staatspropaganda, China

Ihr wollt gerade, dass wir Standpunkte verstehen, wieso der Hongkonger Bevölkerung vorzeitig der Sonderstatus abgebaut wird. Ihr zeigt uns noch mal, wie Ihr solche Standpunkte konstruiert und offen Fakten verfälscht.

Die Kritik von Kinofans

https://www.kinofans.com/Filmkritiken/Ip-Man-4-The-Finale-Filmkritik-China-vs.-USA-E100463.htm

Die Seite Kinofans sagt mir, dass ich den Film gut finden soll, weil ich damals auch Rocky 4 gesehen habe, wo Rocky Balboa dort gegen Ivan Drago, gespielt von Dolph Lundgren, auf der Seite der USA kämpft. „Ip Man 4“ soll nun Rocky 4 mit gegensätzlichen Rollen sein.

Ääääh ja, natürlich. Ich muss von allen Filmen jetzt Filme mit gegensätzlichen anta- und protagonistischen Rollenverteilungen gucken. (Ein Anti „Nightmare on Elm Street“ Film wäre dann ganz oben. Wo Freddy Krueger nur mal kurz ganz harmlos… und böse amerikanische Teenies dann… den Rest muss ich mir noch ausdenken.)

Die Kinofans-Kritik schreibt zwar „Unterdrückung, Demütigung und andere soziale Peinlichkeiten…“ vergisst aber zu erwähnen, dass die so, wie im Film beschrieben gar nicht hätten stattfinden können.

„wagt es einer der chinesischen Zugereisten, sich zur Wehr zu setzen, ist die Antwort der Amerikaner entsprechend hart.“ Leute, es gäbe genug Stoff, um was realistisches draus zu machen (auch dank Trump)… aber naja, Karate…

„Das wirkt in manchen Momenten schon stark anklagend, übertreibt es mit dem erhobenen Zeigefinger aber zum Glück nicht.“ Nein, Quatsch. Ein US Marine prügelt nur einen Einwanderer, vor Zuschauern, krankenhausreif. Grund? Filmzitat: „Er hat mich schlecht aussehen lassen.“ Nie passiert, total anklagend, aber zum Glück nicht übertrieben. Nein, nicht übertrieben. Wirklich nicht.

„Dadurch vergeht der knapp 105-minütige Film gefühlt recht schnell und das ohne Fragen offen oder erzählerische Fäden am Ende ausfransen zu lassen.“ Ihr denkt echt, wir hätten nach dem 105 Minüten Film keine offenen Fragen? Sorry, aber etwa 20 Minuten fiel mir schon auf, dass Teile der Handlung schlicht erlogen waren (Die Teile, bei denen Authentizität wichtig ist). Nach 30 Minuten habe ich gegoogelt, ob der Hauptdarsteller Donnie Yen irgendwann mit China’s Staatspräsident Xi Jin Ping aufgetreten ist.